Aktueller Rentenwert
  

Der aktuelle Rentenwert ist innerhalb der Rentenformel der Faktor, der für alle Versicherten gleich hoch ist. Er ist entspricht einem monatlichen Rentenbetrag für ein Jahr erzieltes Durchschnittsentgelt.
Der aktuelle Rentenwert ist Teil der Rentenformel und wird zum 1. Juli eines jeden Jahres angepasst (siehe Rentenanpassung).
Solange unterschiedliche Einkommensverhältnisse in Ost und West bestehen, gibt es für die neuen Bundesländer einen eigenen, niedrigeren aktuellen Rentenwert (Ost). In den neuen Bundesländern kann der aktuelle Rentenwert (Ost) auch zum 1. Januar angepasst werden.
siehe auch Aktuelle Rechengrößen

Berechnung des aktuellen Rentenwertes:
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Erläuterung der Formel-Bestandteile:
AR t         = zu bestimmender aktueller Rentenwert ab dem 1. Juli
AR t-1      = bisheriger aktueller Rentenwert
BE t-1       = Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer im vergangenen Kalenderjahr
BE t-2       = Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer im vorvergangenen Kalenderjahr unter Berücksichtigung der Veränderung der beitragspflichtigen Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer ohne Beamte einschließlich der Bezieher von Arbeitslosengeld
AVAt-1       = Altersvorsorgeanteil im vergangenen Kalenderjahr
AVAt-2       = Altersvorsorgeanteil im vorvergangenen Kalenderjahr
RVB t-1    = durchschnittlicher Beitragssatz in der allgemeinen Rentenversicherung im vergangenen Kalenderjahr
RVB t-2    = durchschnittlicher Beitragssatz der allgemeinen Rentenversicherung im vorvergangenen Kalenderjahr
RQ t-1      = Rentnerquotient im vergangenen Kalenderjahr
RQ t-2      = Rentnerquotient im vorvergangenen Kalenderjahr
a             = 0,25

Anpassungskomponenten:
graphic  versicherungspflichtige Bruttolohn- und -gehaltssumme (VBE)
      Im Grundsatz orientiert sich die Rentenanpassung im wesentlichen auch nach der neuen Formel an der Entwicklung der Bruttolohn- und -gehaltssumme je durchschnittlichen beschäftigten Arbeitnehmer aus der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Allerdings haben zukünftige Entgelte über der Beitragsbemessungsgrenze und Beamtenbezüge keinen Einfluss mehr auf die Rentenanpassung.
graphic  Altersvorsorgeanteil (AVA)
      Seit der Riesterreform wird der Altersvorsorgeanteil schrittweise in der Rentenformel berücksichtigt, weil davon ausgegangen wird, dass entsprechende Maßnahmen zur betrieblichen und privaten Vorsorge ergriffen werden. Für die Zeit von 2005 bis 2011 gilt eine Übergangsregelung.
graphic  Beitragssatz zur Rentenversicherung (RVB)
      Aufgrund der demographischen Entwicklung ist von steigenden Beitragssätzen zur Rentenversicherung auszugehen. Die Minderung der Nettoeinkommen durch die Beitragssatzsteigerung soll auch an die Rentner weitergegeben werden.
graphic  Nachhaltigkeitsfaktor (NF)
      Der Nachhaltigkeitsfaktor soll sowohl die demographische Entwicklung als auch die Entwicklung der Erwerbstätigkeit berücksichtigen. Die Einbeziehung des Nachhaltigkeitsfaktors in die Rentenanpassungsformel ermöglicht es daher grundsätzlich, die jährliche Erhöhung der Renten in Relation zu den beiden wichtigsten Determinanten der Rentenfinanzen (Anzahl der Beitragszahler und Anzahl der Leistungsempfänger) zu halten. Dadurch entfaltet der Nachhaltigkeitsfaktor eine systemstabilisierende Wirkung. Der Nachhaltigkeitsfaktor besteht daher aus dem sogenannten Rentnerquotienten und dem Gewichtungsfaktor a (in Höhe von 0,25), der die Verteilung der Lasten auf Beitragszahler und Rentner regeln soll. Das Gewicht a beinhaltet allerdings die Gefahr einer politisch beeinflussten Steuerung der Rentenhöhe. Dies hätte fatale Folgen für das ohnehin angeschlagene Vertrauen in die langfristige Stabilität der Rentenversicherung.
graphic   Modifizierte Schutzklausel / Nachholfaktor
      Die Schutzklausel führt nach aktuellem Recht dazu, dass zur Stabilisierung des Systems notwendige Dämpfungen der Rentenanpassung nicht immer realisiert werden. Die Koalitionsvereinbarung sieht deshalb vor, diese notwendigen Dämpfungen schrittweise zu realisieren, wenn nach geltendem Recht positive Rentenanpassungen zustande kommen. Das soll ab 2011 geschehen, jeweils durch die Halbierung des jeweiligen Anpassungssatzes.
      
      Ab 2007 ist neben dem jeweiligen aktuellen Rentenwert auch der maßgebende Ausgleichsbedarf durch den Gesetzgeber zu bestimmen. Der bis zum 30.06.2011 angelaufene Ausgleichsbedarf ist dann ab 1.7.2011 bei der jährlichen Rentenanpassung abzuschmelzen, in dem ein errechneter Anpassungsfaktor nur zur Hälfte an die Rentner weitergegeben wird.

      Nach derzeitigem Recht kann es bei einer negativen Lohnentwicklung auch zu einem Absinken des aktuellen Rentenwertes kommen. Im SGB VI wird lediglich ausgeschlossen, dass der Riesterfaktor und der Nachhaltigkeitsfaktor nicht zu einer Verringerung führen darf.
      
      Sowohl der Riesterfaktor als auch der Nachhaltigkeitsfaktor sollen nach ihrem Konzept den Anstieg der Renten dämpfen, um die Beitragssatzstabilität zu sichern. Wegen des nur geringen Lohnanstiegs zu den Anpassungsterminen 2005 und 2006 waren die Dämpfungsfaktoren wesentlich höher als der Anstieg der Bruttolöhne, so dass es an sich zu einer Kürzung des aktuellen Rentenwertes hätte kommen müssen.
      Aufgrund einer speziellen Sicherungsklausel blieb der aktuelle Rentenwert unverändert. Der geplante Dämpfungseffekt trat nur in minimalem Umfang ein. Dieser fehlende Dämpfungseffekt wird nunmehr als Ausgleichsbedarf bezeichnet, der festzustellen und bei späteren positiven Rentenanpassungen nachzuholen ist.

Seit 2002 kann in der Rentenschätzung und Rentenberechnung die Absenkung des Rentenniveaus im Rahmen der Hochrechnung der Altersrenten berücksichtigt werden. In diesem Fall werden die zukünftigen aktuellen Rentenwerte unter Berücksichtigung der Steigerung des Altersvorsorgeanteils zur privaten Altersvorsorge (AVA) berechnet. Alle sonstigen Werte in der Rentenanpassungsformel werden mit den heute bekannten Werten berücksichtigt. Aufgrund der Änderung der Rentenanpassungsformel durch das RV-Nachhaltigkeitsgesetz wird mit der neuen Version eine Berechnung des aktuellen Rentenwertes unter Berücksichtigung zukünftiger Anpassungen vorgenommen. Grundlage hierfür sind Modellberechnungen des VDR aus dem Jahr 2004.

Der aktuelle Rentenwert reduziert sich von 26,27 EUR im Jahr 2004 auf 21,44 EUR im Jahr 2040. Dies entspricht einer Minderung von rund 18,3 %. Der aktuelle Rentenwert wird dabei als statuserhaltende Größe berechnet, um eine Vergleichbarkeit mit den heutigen Werten sicherzustellen.